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Initiative „Hans Paasche ehren!“

Wir möchten über die Gründung einer Initiative informieren, die sich für die Ehrung des Pazifisten Hans Paasche in Rostock einsetzt. Hier eine Erklärung der Initiative sowie ein Text mit näheren Angaben zur Person Hans Paasche:

„Hans Paasche ehren!“

Mit diesem Ziel hat sich eine Initiative von Rostockerinnen und Rostockern gegründet. Die Forderung nach einem ehrenden Gedenken für Hans Paasche durch die Stadt, in der er am 3. April 1881 geboren wurde, führte uns zusammen. Seine Ermordung durch rechtsradikale Reichswehrsoldaten am 21. Mai 1920 macht die Erinnerung zu einer Bürgerpflicht. Der Mord selbst blieb ungesühnt.

Paasches Geburtsstadt wurde der Ausgangspunkt eines Lebens am Anfang des 20. Jahrhunderts, das wie nur wenige ein „anderes Deutschland“ verkörperte. Ein Deutschland des Bruchs mit dem Militarismus und dem Streben nach Weltherrschaft, für Völkerverständigung, die Überwindung von Rassismus und die Bewahrung unserer natürlichen Umwelt.

Hans Paasche war ein beispielhafter Vertreter dieses anderen Deutschland, ein unbestechlicher Antimilitarist, ein aufrichtiger Freund der afrikanischen Völker, ein Vertreter der Verständigung mit Frankreich und Polen sowie ein leidenschaftlicher Vorkämpfer der Ökologie- und Friedensbewegung, und dies alles mit sehr viel Temperament, Humor und Ehrlichkeit!

Die Erinnerung an sein Leben verdient es, als ein Beitrag zu Pflege und Entwicklung der Zivilgesellschaft in Rostock und seiner demokratischen Öffentlichkeit im Gedächtnis der Stadt verankert zu werden. Auch wenn Paasche seinen Geburtsort Rostock schon früh verließ, bleibt sein Name doch mit dieser Stadt verbunden. Gerade die Tatsache, dass Rostock im Rahmen der militärischen Nato-Planungen im Ostseeraum eine exponierte Stellung einnimmt, verlangt nach der Würdigung einer alternativen Traditionslinie, für die Hans Paasche ein überzeugender historischer Zeuge ist, und aktivem Gedenken.

Für die Initiative:

Raimund Ernst, Cornelia Mannewitz, Gerdt Puchta 

Hans Paasche (1881-1920)

Hans Paasche wurde am 3. April 1881 in Rostock geboren. Sein Vater, Hermann Paasche, war Wirtschaftswissenschaftler. Zu dieser Zeit war er Professor der Staatswissenschaften an der Universität Rostock und Reichstagsabgeordneter für die Liberale Vereinigung sowie später für die Nationalliberale Partei. 1884 verließ er mit seiner Familie Rostock und nahm in den folgenden Jahren Professuren in Marburg und Berlin an. Zwischen 1903 und 1918 war er insgesamt 12 Jahre lang Vizepräsident des Reichstags.

1900 trat Hans Paasche in die Kaiserliche Marine ein. Ab 1904 war er Offizier auf einem Kreuzer vor der Küste Deutsch-Ostafrikas. Neben seinem Dienst unternahm er Ausflüge ins Landesinnere. Er lernte auch die dortige Sprache, Kiswahili.

Während des Maji-Maji-Aufstands 1905-1907 trug Hans Paasche mit seinen Soldaten zur Niederschlagung der Erhebungen bei. 1909 verließ er die Marine auf eigenen Wunsch. Er heiratete und kehrte zusammen mit seiner Frau privat für zwei Jahre nach Ostafrika zurück.

1912 erschien zum ersten Mal Hans Paasches kolonialismuskritischer Roman „Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland“. Im selben Jahr gründete Hans Paasche zusammen mit Hermann Popert den Deutschen Vortruppbund (DVB), eine Organisation der damaligen Jugendbewegung und der Lebensreformbewegung, und seine Zeitschrift, „Der Vortrupp. Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit“. 1913 war er einer der Organisatoren des Ersten Freideutschen Jugendtages.

Zu Kriegsbeginn 1914 kehrte Hans Paasche in die Marine zurück, wurde aber bereits 1916 wegen antimilitaristischer Agitation entlassen. Er schloss sich dem pazifistischen „Bund Neues Vaterland“ an und war Mitbegründer der „Zentralstelle Völkerrecht“. 1917 wurde Hans Paasche Aufforderung zum Hochverrat vorgeworfen. Auf einen Prozess wollte man es jedoch nicht ankommen lassen. Deshalb erklärte man ihn für geisteskrank und nahm ihn in einem Sanatorium in Schutzhaft. Im November 1918 wurde er von Aufständischen befreit und war bis zur Entmachtung der Räte im Dezember Beauftragter für Auswärtiges und Waffenstillstandsbedingungen des Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte.

Nachdem seine Frau im Dezember 1918 an der Spanischen Grippe gestorben war, zog sich Paasche mit seinen vier Kindern auf sein Gut, Waldfrieden (heute in Polen), zurück und arbeitete als Autor. In seinen Schriften kritisierte er die Schuldigen am Krieg und setzte sich für soziale Gerechtigkeit und ökologisches Wirtschaften ein.

Am 21. Mai 1920 wurde Hans Paasche bei einer Hausdurchsuchung wegen des Verdachts, Waffen für einen Aufstand zu horten, auf seinem Gut von Reichswehrsoldaten erschossen.

Schriften von Hans Paasche, mit Ersterscheinungsjahr (Auswahl):

„Im Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reiseerlebnisse in Ostafrika“, 1907; „Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland“, 1912; „Fremdenlegionär Kirsch“, 1916; „Meine Mitschuld am Weltkriege“, 1919; „Das verlorene Afrika“, 1919; Donat, Helmut, Paasche, Helga (Hg.): „‚Ändert Euren Sinn!‘. Schriften eines Revolutionärs“. Donat-Verlag, Bremen 1992

Weiterführende Literatur:

Lange, Werner: Hans Paasches Forschungsreise ins innerste Deutschland. Eine Biographie. Donat-Verlag, Bremen 1994; Wette, Wolfram, Donat, Helmut (Hg.): Weiße Raben. Pazifistische Offiziere in Deutschland vor 1933. Donat-Verlag, Bremen 2020; Mogge, Winfried, "Paasche, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 735 f. [Online-Version]; Eintrag von "Hermann Paasche" im Catalogus Professorum Rostochiensium; Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), „Paasche, Hermann“