Sie sind hier

Flughafenfest in Laage heute: unser Kommentar

Laage feiert: Seit 25 Jahren wird hier zivil geflogen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde lange gestritten, welcher regionale Flughafen der wichtigste sein und die meiste Förderung erhalten sollte. Laage hat das Rennen gemacht. Seine Verluste werden vom Land ausgeglichen.

Hilfreich mag dabei der Umstand gewesen sein, dass hier schon lange das Militär flog. Seit 1984 ist Laage als Militärstandort in Betrieb. Anfang der neunziger Jahre wurde das Geschwader „Steinhoff“ der Bundeswehr hierher verlegt. Als erstes in Deutschland wurde es mit dem Eurofighter Typhoon ausgestattet. Das Geschwader ist unter anderem für die Ausbildung aller deutschen und österreichischen Eurofighterpiloten zuständig. Außerdem stellt es eine sogenannte Alarmrotte bereit, die auf Anweisung eines NATO-Gefechtsstands innerhalb von Minuten aktiv wird.

Militärischer und ziviler Teil von Laage teilen sich eine Flugbahn. Die zivilen Flugbewegungen werden vom Tower des Fliegerhorstes mitkoordiniert. 2005 wurde auf dem zivilen Teil ein neues Passagierterminal eröffnet. Bis heute ist es überdimensioniert. Glanz verleihen sollte ihm aber sein Name: „Hans von Ohain“. Gemeint ist Hans Joachim Pabst von Ohain, Ingenieur und einer der Erfinder des Strahltriebwerks. Um den Jahrestag seines ersten Probeflugs 1939 wird es im nächsten Jahr gehen. Während die zivilen Passagiere mit diesem Namen vermutlich den schnellen und kostengünstigen Flug in ihre Ferienorte verbinden sollen, tut sich aus politischer Sicht eine andere Perspektive auf. Denn Ohain machte seine Erfindung im Dienste des Industriellen Ernst Heinkel, dessen Flugzeugwerke nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten die größten Rüstungsaufträge erhielten, „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“ wurden, den Standardbomber der NS-Luftwaffe entwickelten und früher und in größerem Umfang als alle anderen deutschen Unternehmen KZ-Häftlinge für sich arbeiten ließen.

Mit Namen hat man in Laage ohnehin wenig Glück: Das Geschwader ist nach Johannes Steinhoff benannt – in der NS-Luftwaffe Ritterkreuzträger, seit 1952 beteiligt am Aufbau der Bundeswehr und zeitweise Inspekteur der Bundesluftwaffe sowie Vorsitzender des NATO-Militärausschusses.   

Aber vielleicht wird ja wenigstens das Flughafenfest schön. Eurofighter werden dort auch zu sehen sein. Da es ein Familienfest ist, brauchen auch Kinder dort Unterhaltung. Man kann sie gut mit einer einfachen Rechenaufgabe beschäftigen: Im August 2018 wurde in Laage die vierzigtausendste Flugstunde mit dem Eurofighter absolviert. Eine Flugstunde kostet etwa siebzigtausend Euro. Wieviel Geld hat der Flugbetrieb der Eurofighter allein in Laage bisher den deutschen Steuerzahler gekostet? Und die Erwachsenen könnten sich folgende Fragen stellen: Ist es nötig, über einen Einsatz von Eurofightern im Syrienkrieg zu diskutieren? Ist es nötig, darüber zu diskutieren, ob die Eurofighter als Träger für die NATO-Atombomben von Büchel umgerüstet werden können? Was könnte man mit dem Geld für ihre Flugstunden in MV tun, wo jedes vierte Kind von Hartz IV lebt?