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Ilja-Ehrenburg-Straße: Bedauerliches Unwissen und Vereinnahmung des Andenkens an Rostocker Entertainer

(Pressemitteilung der Initiative Ilja Ehrenburg vom 20. Juni 2017) Die Umbenennungsaktion von Junger Union und CDU, die laut „Ostsee-Zeitung“ vom 19. Juni am Sonnabend in der Ilja-Ehrenburg-Straße stattgefunden hat, lässt auf ein bedauerliches Unwissen schließen: Die Akteure kennen offenbar nicht das Leben und Werk Ilja Ehrenburgs, sondern wiederholen nur aus zweifelhaften Quellen bekannte einzelne Sätze. Sie erkennen offenbar keinen Unterschied zwischen Nazipropaganda und Propaganda aus den Ländern, die im Zweiten Weltkrieg Opfer der faschistischen Vernichtungsmaschinerie wurden (siehe ihren Goebbels-Vergleich). Sie wissen offenbar nichts über den Stand der Diskussion über die Ilja-Ehrenburg-Straße in der Stadt: Spätestens seit der Veranstaltungsreihe „Ilja Ehrenburg: Leben und Werk“ 2007/2008 ( http://rostocker-friedensbuendnis.de/dateien/ehrenburg-veranstaltungsreihe-flyer.pdf ) und der Präsentation der Ausstellung „Ilja Ehrenburg und die Deutschen“ des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst mitsamt ihrem Begleitprogramm 2009 ( http://www.rostocker-friedensbuendnis.de/initiative-ilja-ehrenburg/177 ff.) befindet sich dieser auf einem erheblich höheren Niveau als solche Aktionen. Stattdessen folgten Junge Union und CDU dem Vorbild rechtsradikaler Kräfte. Nur diese haben bisher symbolische Umbenennungen der Ilja-Ehrenburg-Straße vorgenommen. Lediglich mit ihrem Alternativvorschlag bewiesen sie mehr Sorgfalt: Statt für eine „Rudolf-Heß-Straße“, wie die Rechtsradikalen, plädierten sie für eine „Horst-Köbbert-Straße“. Das Andenken an den beliebten Rostocker Unterhaltungskünstler Horst Köbbert darf aber nicht dadurch beschädigt werden, dass für ihn der Name des großen jüdischen Schriftstellers, Antifaschisten und Humanisten Ilja Ehrenburg in Frage gestellt wird. Horst Köbbert sollte durch eine der zahlreichen neuen Straßen geehrt werden, die zurzeit in Rostock entstehen. Das wäre sogar wünschenswert. Vor allem aber darf sein Andenken nicht in eine Sommerloch-Diskussion hineingezerrt werden. Vielleicht sollte die Aktion von Junger Union und CDU ja auch nur dazu dienen, eine solche zu eröffnen?