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Rostocker*innen blockieren Atomwaffenstandort Büchel: Pressemitteilung und Text unseres Flyers

Kürzlich hat das Rostocker Friedensbündnis sein Gruppenkonto bei der OstseeSparkasse Rostock aufgelöst, weil dieses Geldinstitut über den Deutschen Sparkassenverband Atomrüstung mitfinanziert. Nun ist es Zeit für einen weiteren Schritt:

Angesichts der wachsenden Kriegsgefahr und des absoluten Stillstands aller Verhandlungen über atomare Abrüstung werden mehrere Mitglieder des Rostocker Friedensbündnisses und des Rostocker Anti-Atom-Bündnisses am 27. März den letzten deutschen Atomwaffenstandort, den Fliegerhorst Büchel in der Eifel, blockieren.

Bereits vor fünf Jahren hat der Bundestag den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland beschlossen. Geschehen ist aber nichts. Im Gegenteil, die Atomwaffen werden modernisiert. Deutsche Bundesregierung und NATO halten sich die Option offen, als erste in einem Krieg Atomwaffen einzusetzen. Das internationale Wissenschaftsmagazin „Bulletin of the Atomic Scientists“ hat erst vor kurzem seine Atomkriegsuhr, die „Doomsday Clock“, von 5 Minuten auf 3 Minuten vor 12 vorgestellt, nicht zuletzt wegen der Kriegsdrohungen rund um den Ukraine-Konflikt.  

Die Blockade ist Teil der bundesweiten Aktion „büchel65 - 65 Tage gewaltfreie Blockaden“. Der Zeitraum reicht vom fünften Jahrestag des Bundestagsbeschlusses bis zum Ende der Internationalen Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag am 29. Mai in New York. Gruppen aus verschiedenen Städten und Regionen werden jeweils für einen Tag Tore des Fliegerhorstes mit gewaltfreien Sitzblockaden zu schließen versuchen. Die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) plant für den 18. April einen Aktionstag in Büchel.

Den Einwohner*innen Mecklenburg-Vorpommerns sollten die Gefahren atomarer Katastrophen besonders wegen jahrelanger Transporte atomaren Materials mit Passagierfähren über die Ostsee und des ungeklärten Status des Zwischenlagers Lubmin bei Greifswald bewusst sein. Anliegen der Rostocker Blockade in Büchel sind, den Skandal zu verdeutlichen, dass Atomwaffen immer noch als Mittel der Kriegführung betrachtet werden, und auf die Millionen Opfer der Atomindustrie hinzuweisen: Opfer der Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren, der Atombombentests, des Uranbergbaus und der Unfälle in Atomkraftwerken. Die Rostocker*innen führen dazu die Ausstellung „Hibakusha weltweit“ der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) mit und werden sie in Büchel zeigen.

Auch ein für 2021 geplanter Atomausstieg Deutschlands wird seinem Namen nicht gerecht werden, solange hierzulande Uran angereichert, Brennstäbe hergestellt und Atomwaffen einsatzfähig gehalten werden.

Weitere Informationen:

http://www.rostocker-friedensbuendnis.de/node/439

http://www.buechel-atomwaffenfrei.de/buechel65/

http://www.ippnw.de/atomenergie/hibakusha-weltweit/ueber-die-ausstellung.html

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Flyer:

Rostocker Blockadetag, 27. März 2015: Nordosten gegen Atomwaffen!

Heute blockieren Mitglieder des Rostocker Friedensbündnisses und des Rostocker Anti-Atom-Bündnisses. Wir kommen aus der Gegend, in der Passagierfähren schon jahrelang atomares Material über die Ostsee transportieren und in der sich das Zwischenlager Lubmin befindet, das zum Endlager werden könnte. Die Gefahren atomarer Katastrophen liegen also auch vor unserer Haustür.

Wir erinnern an den Beschluss des Deutschen Bundestages gestern vor fünf Jahren, am 26. März 2010. „Eine Welt frei von Atomwaffen“, hieß es damals. Eine breite Mehrheit aller Abgeordneten forderte den Abzug sämtlicher Atomwaffen aus Deutschland. Geschehen ist aber nichts. Im Gegenteil, die Regierung hat zugestimmt, dass die Atomwaffen nicht nur bleiben, sondern sogar modernisiert werden. Sie und die NATO halten sich die Option offen, als erste in einem Krieg Atomwaffen einzusetzen.

Was bedeutet das heute, in einer Zeit, in der sich mitten in Europa zwei Lager gegenüberstehen, die Ostukraine im Chaos versinkt und beide Seiten mit Atomwaffen drohen, während diplomatische Lösungen immer wieder unterlaufen werden? Was bedeutet das bei den vielen instabilen Regionen, die die militärischen Interventionen für wirtschaftliche und geostrategische Gewinne der letzten Jahre in der Welt hinterlassen haben? Was bedeutet das angesichts der Tatsache, dass Atomwaffen immer noch ein Machtfaktor sind? Es bedeutet, dass Atomwaffen, die jahrzehntelang „nur“ zur Abschreckung vorgehalten wurden, auch eingesetzt werden können. Das internationale Wissenschaftsmagazin „Bulletin of the Atomic Scientists“ hat deshalb erst vor kurzem seine Atomkriegsuhr, die „Doomsday Clock“, von 5 Minuten auf 3 Minuten vor 12 vorgestellt. Dort stand sie zum letzten Mal 1984, als bei einem NATO-Manöver ein atomarer Angriff auf die Sowjetunion geübt wurde. Und dabei reden wir noch nicht einmal davon, dass in den heutigen Kriegen immer auch Uranmunition zum Einsatz kommt und im wahrsten Sinne des Wortes verbrannte Erde hinterlässt, unter der noch Generationen zu leiden haben werden. Wenn Sie wissen wollen, welche Opfer die Atomindustrie schon gefordert hat - schauen Sie sich die Ausstellung „Hibakusha weltweit“ an, die wir mitgebracht haben.

Wir wollen nicht, dass einfach so weitergemacht wird. Wir verlangen die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses von 2010. Wir verlangen von der Internationalen Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag am 29. Mai in New York Ergebnisse. Und hier in Büchel greifen wir in den Tagesablauf ein. Wir finden es nicht in Ordnung, dass auf diesem Fliegerhorst Atomwaffen Normalität sind, dass Aufbewahrung, Wartung und Training an Atomwaffen Routine sind, und diese Ordnung stören wir durch unsere Blockade.

Sollte Ihr Arbeitsplatz von diesem Fliegerhorst abhängen, raten wir Ihnen: Fordern Sie von Ihrer Kommune Pläne zur Konversion! Bei uns im Nordosten gibt es noch viel zu viel Militär, aber wir haben auch Erfahrung mit der Umwandlung von militärisch genutzten Liegenschaften für zivile Zwecke und mit der Frage, wie wichtig zivile, nachhaltige Arbeitsplätze sind. Und die Atomwaffen gehören nicht modernisiert, sondern verschrottet!

Also: Wir freuen uns, wenn Sie sich uns anschließen! In jedem Fall: Hol di fuchtig!*, wie man bei uns im Norden sagt J Und besuchen Sie gern auch die anderen Blockaden. Bis zur New Yorker Konferenz am 29. Mai bleiben wir!

*“Mach’s gut!“ auf Niederdeutsch

Rostocker Friedensbündnis, Rostocker Anti-Atom-Bündnis

www.rostocker-friedensbuendnis.de

www.lubminnixda.blogsport.de